Kaiser Wilhelm I.

Kaiser Wilhelm I.
wurde als zweiter Sohn Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise am 22. März 1797 in Berlin geboren, wo er am 09. März 1888, dem „Drei-Kaiser-Jahr“, verstarb. 1829 heiratete er Prinzessin Augusta von Sachsen-Weimar. Die Revolution von 1848 zwang ihn vorübergehend zur Flucht nach England. Infolge der Erkrankung seines Bruders, König Friedrich Wilhelm IV., dessen Ehe kinderlos geblieben war, übernahm er im Oktober 1857 zunächst die Stellvertretung, im Oktober 1858 die förmliche Regentschaft. Nach dem Tod seines Bruders wurde er am 02. Januar 1861 zum König von Preußen gekrönt.

Gleich zu Beginn seiner Regierungszeit, begann Wilhelm I. damit, nach und nach alle Ämter mit liberal gesinnten Ministern zu besetzen. Diese gemäßigt liberale Politik, die „Neue Ära“, fand bei der Bevölkerung, auch der deutschen Nachbarstaaten, eine ausgesprochen positive Aufnahme. So gewann in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts der die Überwindung der deutschen Kleinstaaterei anstrebenden Nationalismus neuen Auftrieb, und führte schließlich 1859 zur Gründung des Deutschen Nationalvereins in Frankfurt am Main.

So entgegenkommend Wilhelm I. trotz seiner streng monarchistischen Grundhaltung gegenüber den national-demokratischen Bestrebungen des Bürgertums war, konnte er doch in der Sache äußerst kompromisslos sein. Dies zeigte sich beispielsweise bei der preußischen Heeresreform, von deren Notwendigkeit er unbedingt überzeugt war. Gegenstand dieser Heeresreform war eine Anpassung der Heeresstärke an die deutlich gewachsene Bevölkerungszahl Preußens, aber auch im Hinblick auf die forcierte Rüstung der Nachbarstaaten, insbesondere Frankreichs und Russlands, sowie eine Erneuerung der großenteils veralteten Ausrüstung. Neben der Schaffung neuer Planstellen, sollte die erhöhte Truppenstärke auch durch eine um drei Jahre verlängerte Reservistenzeit der gedienten Soldaten sowie zahlreichere Übungen erreicht werden.

Zur Finanzierung der Heeresreform brauchte Wilhelm jedoch die Zustimmung des preußischen Landtags. Während das Herrenhaus zustimmte, lehnte das mit einer liberalen Mehrheit ausgestattete Abgeordnetenhaus die Heeresvorlage vor allem aus politischen Erwägungen ab. Als unzumutbar wurde vor allem die große Zahl neuer Offiziersstellen empfunden, staatliche Führungspositionen, die nach der vorangegangenen Restauration vor allem durch Adelige besetzt würden, sowie die längere Dienstzeit im Allgemeinen, da beides die Monarchie gegenüber dem liberalen Bürgertum stärken würde. Da die Liberalen abgesehen von diesem unerwünschten politischen Effekt die rein militärische Notwendigkeit akzeptierten und einen Bruch mit dem Prinzregenten nach Möglichkeit vermeiden wollen, stimmen sie der Heeresvorlage schließlich unter der Bedingung zu, dass die Verlängerung der Dienstzeit teilweise zurückgenommen wird. Wilhelm ist jedoch zu keinem Kompromiss bereit, löst nach seiner Ernennung zum König den preußischen Landtag auf und ersetzt bei dieser Gelegenheit die liberalen Minister durch konservative. Als der neu gewählte Landtag erneut eine starke liberale Mehrheit erhält und die Heeresvorlage erneut ablehnt, erwägt Wilhelm I. 1862 ernsthaft seine Abdankung, da er von der Richtigkeit seines Vorgehens überzeugt ist.

In dieser ausweglosen Situation wird er vom damaligen Kriegsminister Albrecht von Roon auf Otto von Bismarck aufmerksam gemacht, der für seine unbedingte Loyalität gegenüber der Monarchie und seine taktisch geschicktes Handeln bekannt war. Nach anfänglichem zögern, insbesondere wegen den eher gegensätzlichen Auffassungen über die Rolle Preußens im deutschen Bund, ernennt Wilhelm I. Bismarck 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten. Bismarck beendet den Verfassungskonflikt um die Heersreform auf seine Weise, nämlich indem er über Jahre hinweg die Regierung in seinem Sinne und gegen die parlamentarische Mehrheit des Abgeordnetenhauses führt. Regt sich anfangs in der Bevölkerung kein nennenswerter Widerstand gegen dieses Vorgehen, schlägt die notgedrungen passive mehrheitliche Ablehnung angesichts der außenpolitischen und militärischen Erfolge in den Kriegen mit Dänemark und Österreich von 1864 und 1866 in Zustimmung um. 

1871, am Ende des Krieges gegen Frankreich, wurde Wilhelm I. in Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen. Außenpolitisch legte er großen Wert auf enge, freundschaftliche Beziehungen zu Russland. Wilhelm I. beeindruckte seine Umwelt vor allen durch seine „schlichte Größe“. Eine Umschreibung, die nicht ironisch gemeint ist, sondern auf die Klarheit seiner Gedanken und die Geradlinigkeit seines Charakters anspielte. Diese Eigenschaften und seine würdige Ausstrahlung verhalfen ihm zu Respekt und Ansehen in der Bevölkerung. Zu seinen besonderen Merkmalen zählten sein weit in die Zukunft reichender politischer Instinkt und seine glückliche Hand bei der Auswahl seiner Berater.


Weitere Deutschland-Dokumente:


Kommentar verfassen